Brustkrebs Risikofaktoren


Die amerikanische Schauspielerin Angelina Jolie verlor ihre Mutter durch Brustkrebs. Seit die Schauspielerin ihre Brustoperation öffentlich machte, überlegen viele Frauen: Was würde ich in dieser Situation tun? Hier finden Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was für eine Operation wurde durchgeführt?

Bei der prophylaktischen Mastektomie wird vorbeugend das Drüsengewebe entfernt. Im Gegensatz zur Brustamputation bleiben dabei die Haut und die Brustwarze erhalten. Durch eine Implantation einer Silikonprothese wird die äußere Form der Brust wiederhergestellt.

Wie wird ein erhöhtes Brustkrebsrisiko diagnostiziert?

Mit einem Test, bei dem untersucht wird, ob eine Frau Mutationen in den sogenannten Brustkrebsgenen BRCA1 und BRCA2 hat.

Sollte jede Frau diesen Test machen, die Angst vor Brustkrebs hat?

Nein. Der Test ist nur für Frauen sinnvoll, die ein hohes Risiko haben.

Wann genau ist das Risiko erhöht?

Wenn mindestens 2 Verwandte ersten Grades (Mutter, Tante, Schwester) vor dem 50. Lebensjahr an Brust- oder Eierstockskrebs erkrankt sind 

oder 1 Verwandte ersten Grades vor dem 40. Lebensjahr an Brustkrebs in beiden Brüsten erkrankt ist

oder 1 Verwandte ersten Grades vor dem 35. Lebensjahr an Brust- oder Eierstockskrebs erkrankt ist.

Wie hoch ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass das Testergebnis positiv ausfällt?

Eine von zehn Frauen, auf die die obigen Kriterien zutreffen, hat dann eines dieser Brustkrebsgene. Die Häufigkeit ist aber umso höher, je mehr Frauen in der Familie an Brustkrebs erkrankt sind und je jünger diese bei Erkrankungsbeginn waren. Sie steigt weiter, wenn diese Frauen auch noch an Eierstockkrebs erkrankt sind.

Was hat Eierstockkrebs mit dem Brustkrebsrisiko zu tun?

Für beide Krebsformen ist in manchen Fällen die gleiche Mutation verantwortlich.

Welches Erkrankungsrisiko besteht, wenn der Test – wie bei Angelina Jolie – positiv ausfällt?

Dann erkrankt sie nicht zwangsläufig an Brust- oder Eierstockkrebs. Allerdings ist ihr Risiko deutlich erhöht: Es liegt zwischen 20 und 40 Prozent für Eierstockkrebs und zwischen 60 und 90 Prozent für Brustkrebs. Ohne eines der Gene erkrankt nur eine von zehn Frauen im Laufe ihres Lebens.

Dann haben also Frauen mit einem positiven Testergebnis nicht alle das gleiche Risiko?

Nein, es gibt auch noch weitere Faktoren, das muss für jede Frau individuell berechnet werden. Deswegen werden solche Gentests immer nur im Rahmen einer genetischen Beratung gemacht – die schon vor dem Test beginnt. Man muss sich ja klarmachen, dass das Ergebnis Auswirkungen für Angehörige, etwa Schwestern, haben kann, die vielleicht gar nicht so genau wissen wollen, ob sie ein erhöhtes Risiko haben.

Wie sieht eine Beratung nach einem positiven Testergebnis aus?

Die Frauen werden in einem interdisziplinären Team von Gynäkologen, Humangenetikern und auch Psychoonkologen über alle Optionen beraten.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt zum einen die Möglichkeit, dass den Frauen das Brustgewebe entnommen wird, wie bei Angelina Jolie, oder die Eierstöcke samt Eileitern.

Die Alternative ist eine intensivierte Früherkennung mit engmaschiger Überwachung. Dabei wird einmal jährlich eine Mammografie und eine Magnetresonanztomografie und halbjährlich ein Ultraschall der Brüste gemacht. Und die Frauen werden angeleitet, wie sie sich selbst abtasten können.

Wie sind die Chancen?

Wenn das Brustgewebe entnommen wird, sinkt für die betroffenen Frauen das Krebsrisiko auf fünf Prozent, sie haben dann also ein geringeres Risiko als Frauen ohne diese Genmutation. Es bleibt aber ein Restrisiko, da so gut wie nie das gesamte Brustgewebe entfernt werden kann, es bleibt immer etwas übrig. Das Risiko für Eierstockkrebs sinkt aber sogar auf etwa ein Prozent.

Wie sind Auswirkungen?

Die Entfernung des Brustgewebes ist ein großer Eingriff, der erhebliche Auswirkungen auf das Körperbild der Patientin hat. Die Implantate werden oft als Fremdkörper empfunden – wie ein schlecht sitzender BH, den man nicht mehr ausziehen kann. Die Haut ist dünner und berührungsempfindlicher als vor dem Eingriff.

Dagegen ist die intensivierte Früherkennung oft mit großen Unsicherheiten und Ängsten verbunden. Da das Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter steigt, begleitet die Frauen das Gefühl, „eine tickende Zeitbombe“ im Körper zu haben, meist ein Leben lang. Dazu kommt, dass im Falle einer tatsächlichen Erkrankung  damit zu rechnen ist, dass der Krebs schon andere Organe befallen hat, und deshalb oft neben der Operation auch Chemotherapie und Bestrahlung erforderlich sein können.

Wie entscheiden sich die betroffenen Frauen?

In Deutschland entscheiden sich neunzig Prozent der Frauen gegen die Entfernung des Brustgewebes. 

Viele lassen sich allerdings, wenn sie ihre Familienplanung schon abgeschlossen haben und älter als 40 Jahre sind, die Eierstöcke samt Eileitern herausnehmen, weil einerseits bei diesem Krebs die Früherkennung nicht so gut funktioniert und andererseits die Entnahme der Eierstöcke auch das Risiko für Brustkrebs senkt, nämlich um die Hälfte.

Was wissen wir über die Ursachen von Brustkrebs?

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frauen in Deutschland. Etwa zehn Prozent der Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 63 Jahren.

Schätzungen gehen davon aus, dass bei rund 0,3 Prozent der gesunden Frauen und bei fünf Prozent der an Brustkrebs erkrankten Frauen eine erbliche Belastung vorliegt.

Das Wachstum von Brustkrebszellen kann durch die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Gestagen angeregt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sexualhormone die Ursache von Brustkrebs sind. Was letztlich zur Entartung des Zellwachstums führt, ist noch weitgehend unbekannt.

Wie wirken sich Ernährung und Lebensstil auf das Brustkrebsrisiko aus?

Deutlich übergewichtige Frauen erkranken 2,5 mal so häufig wie normalgewichtige.

Starkes und langdauerndes Zigarettenrauchen erhöht die Erkrankungswahrscheinlichkeit um 30%. 

Auch Frauen, die täglich mindestens 20 g Alkohol trinken, haben ein um dreißig Prozent erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Ob die Antibabypille das Risiko erhöht, ist nicht eindeutig geklärt. Als gesichert gilt jedoch, dass die Pille das Risiko für Gebärmutter- und Eierstockskrebs verringert. Dagegen erhöht eine mehr als fünfjährigen Hormonbehandlung im Klimakterium das Erkrankungsrisiko. Möglicherweise hat die Hormonbehandlung jüngerer Frauen keinen wesentlichen Einfluss.

Bewegung und Sport senken wahrscheinlich das Risiko für Brustkrebserkrankungen.

Auch frühe Mutterschaft und längeres Stillen sollen einen günstigen Einfluss haben. 


Quellen:
Die Zeit, Ausgabe Nr. 21, 2013: Interview mit Norbert Arnold, dem Leiter des onkologischen Labors der Kieler Universitätsfrauenklinik
Die Zeit: Kommentar
Deutsches Ärzteblatt: 1997 und 2005
Frauenärzte im Netz
Wikipedia: Brustkrebs, BRCA1
Das amerikanische National Cancer Institute: Risikokalkulator

Thromboserisiko


Immer wieder sorgen Veröffentlichungen über das Thromboserisiko von Antibabypille oder Hormonersatzmitteln für Verunsicherungen. Dabei kommt es sehr darauf an, wie die Information dargestellt wird.


Die Aussage „Die Antibabypille erhöht das Risiko eine Thrombose zu erleiden um das vierfache“ hört sich zunächst sehr gefährlich an. Bedeutet dies doch, dass die Wahrscheinlichkeit, ein lebensgefährliches Ereignis zu erfahren, um 400% steigt. Tatsächlich kommt es bei 99,98% der Frauen, die die Pille nehmen, nicht zu einer Thrombose.

In Großbritannien führte die Schlagzeile „Pille erhöht Thrombose-Risiko um 400%“ übrigens zu 13.000 Abtreibungen mehr als üblich, weil viele Frauen sofort die Pille absetzten.

Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Wahrnehmungen? Das liegt ganz einfach daran, dass die eigentlich wichtige Größe, nämlich die tatsächliche Anzahl Erkrankungen, unbekannt ist. Das absolute Risiko einer Frau an Thrombose zu erkranken ist nämlich sehr gering: ohne Pille erleiden 5 von 100.000 eine Thrombose, mit Pille sind es 20 von 100.000 – immer noch wenige.

Außerdem beeinflussen zahlreiche zusätzliche Faktoren wie Alter, Übergewicht, Rauchen und angeborene Gerinnungsstörungen das Risiko ganz erheblich. In den USA wurde eine Studie mit über 70.000 Personen durchgeführt, die über 16 verschiedene Einflussfaktoren berücksichtigt. Nach Auswertung der Studie wurde eine Risikokalkulator entwickelt, mit dessen Hilfe Sie Ihr individuelle Risiko berechnen und anschaulich darstellen lassen können. Auf unserer Internetseite finden Sie eine deutsche Übersetzung des Rechners.