Vor lauter Sorge vergessen Schwangere oft, sich über ihr Glück zu freuen

Freut euch!

Schwangere wollen alles richtig machen und sehen überall Gefahren. Zu viel Sorge trübt das neue Glück

VON MAGDALENA HAMM – DIE ZEIT N° 5 / 2017

Das schlechte Gewissen beginnt für viele Schwangere bereits mit einer der ersten Fragen vom Frauenarzt: »Nehmen Sie schon Folsäure?« Denn oft lautet ihre Antwort »Nein«. Warum sollten sie auch Folsäure nehmen, vor allem dann, wenn sie ihr erstes Kind erwarten und den Nachwuchs nicht akribisch geplant haben. Doch mit der Frage schleichen sich Gewissensbisse, Unsicherheit und die erste Sorge in das neue Glück: Gefährde ich mein Kind? Diese Frage kann oft nicht eindeutig beantwortet werden, so wie bei der Folsäure: Schlimm ist es nicht unbedingt, wenn Frauen das Vitamin nicht eingenommen haben, aber je früher sie anfangen, es zu schlucken, desto besser ist es für die Entwicklung des Kindes.

Die Verunsicherung der werdenden Mütter hängt paradoxerweise mit dem Wissenszuwachs der Geburtsmedizin in den vergangenen Jahren zusammen: Je mehr man über die Risikofaktoren in der Schwangerschaft weiß, desto mehr Verhaltensregeln ergeben sich für die Frauen – und desto öfter geraten sie in Situationen, in denen sie fürchten, etwas falsch zu machen.
Vor allem beim Essen wird es kompliziert, will man alle Regeln akribisch beachten: »Nicht erhitzter Fisch, nicht erhitztes Fleisch und rohe Milchprodukte können Keime enthalten, die bei einer Infektion dem Baby schaden oder auch eine Frühgeburt auslösen können. Sie sind definitiv in der Schwangerschaft tabu«, sagt der Sprecher des Berufsverbands der deutschen Frauenärzte, Christian Albring. Klingt simpel, ist es im Alltag aber nicht: Ist der Schafskäse im Hirtensalat beim Türken um die Ecke womöglich aus Rohmilch gemacht? Wurde der Räucherlachs in der Pasta beim Italiener kalt oder heiß geräuchert? Kann sie überhaupt noch guten Gewissens in Restaurants gehen, wenn sie überall damit rechnen muss, sich einen gefährlichen Keim einzufangen?

Kein Schluck

Alkohol sollten Frauen in der Schwangerschaft keinesfalls trinken, sind sich die meisten Experten mittlerweile einig. Denn beim Alkohol konnte bisher keine Dosis-Wirk-Beziehung festgestellt werden: Man kann also nicht davon ausgehen, dass kleine Mengen weniger schädlich sind, sondern muss damit rechnen, dass jede Dosis großen Schaden anrichten kann. Trinkende Schwangere setzen ihr Ungeborenes dem Risiko eines ausgeprägten oder partiellen Fetalen Alkoholsyndroms (FASD) aus. Unter diesem Begriff werden alle alkoholbedingten Schädigungen zusammengefasst, die beim Kind auftreten können, etwa ein zu kleiner Kopf, Herzfehler, ein reduziertes Hör- und Sehvermögen, eine gestörte Feinmotorik oder verminderte Intelligenz.

Ähnlich ist es bei Alkohol und Zigaretten. Die Grundregel ist klar: Schwangere sollten darauf ganz verzichten. »Alkohol ist in jeder Dosierung ein Nervengift. Jede einzelne Zigarette reduziert die Durchblutung in der Plazenta und kann dem Kind schaden«, sagt Albring. »Das Gleiche gilt für Passivrauchen.« (siehe Kasten)Und da wird es kompliziert. Denn die Absolutheit, mit der diese Regeln formuliert sind, und die Drastik der möglichen Konsequenzen lassen nur wenig Spielraum für Grauzonen – die sich im Alltag aber nun mal ergeben. Etwa bei der Abendplanung: Zwar kann die Schwangere ihre eigenen Gewohnheiten umstellen und auf Bier, Wein und Zigarette verzichten. Von ihren Freunden kann sie das aber nicht verlangen. Wenn die sich nun in einer Bar treffen, in der geraucht wird, stellt sich die Frage, ob sie überhaupt noch mitgehen kann – würde sie da nicht riskieren, ihr Kind durch den Rauch zu schädigen?

Wolf Lütje trifft bei seiner Arbeit immer wieder auf Frauen, die ihre Schwangerschaft vor lauter Sorge gar nicht mehr genießen können. Er ist Chefarzt in einer Hamburger Geburtsklinik und Präsident der Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe. »Viele meiner Fachkollegen haben einen Hang zum Katastrophisieren. Um sich selbst abzusichern, zählen sie den Patientinnen alles auf, was schiefgehen könnte. Dadurch entsteht bei denen oft der Eindruck, dass es allein in ihrer Verantwortung liegt, ob ihr Kind gesund zur Welt kommt.« Das sei aber nicht der Fall. »Selbst bei Schwangeren, die vermeintlich alles richtig machen, kann es zu Fehlentwicklungen kommen. Absolute Kontrolle gibt es nicht.«

WOLF LÜTJE, Chefarzt
Wenn eine Schwangere Appetit auf Räucherfisch hat, sollte sie ihn mit Genuss essen

Lütje geht es keineswegs darum, Risiken zu verschweigen oder zu verharmlosen, er plädiert nur dafür, die Frauen zu entlasten: »Ich sehe keinen Grund, warum eine Schwangere sich von ihren rauchenden Freunden isolieren und auf einen gelegentlichen Kneipenbesuch verzichten sollte.« Ein Problem gebe es doch erst dann, wenn die Frau selbst regelmäßig rauche oder mit einem starken Raucher zusammenlebe. Und selbst in diesem Fall spart Lütje mit zu strikten Forderungen. »Natürlich wäre es am besten, wenn beide Partner ganz aufhören würden, aber das ist nicht immer so einfach. Ich ermutige sie dann, zumindest stark zu reduzieren, und sage, dass jede Zigarette weniger ein Geschenk an ihr Kind ist.«

Auch beim Thema Ernährung entwarnt Lütje: »Wenn eine Schwangere Appetit auf Räucherfisch hat, sollte sie ihn mit Genuss essen und sich keinen Kopf darum machen, ob der nun heiß oder kalt gegart wurde.« Der Fisch enthalte wertvolle Fette und Jod, sodass der Nutzen im Zweifel höher einzustufen sei als die Gefahr, sich mit einem Keim zu infizieren. »Das Risiko halte ich für äußerst gering«, sagt Lütje.Ein Blick in die Statistik gibt ihm recht. Die zwei Lebensmittelinfektionen Listeriose und Toxoplasmose, die Ungeborene bedrohen könnten, sind meist nicht so gefährlich, wie viele denken. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung recht gering: In Deutschland gibt es ein paar Hundert Listeriosefälle im Jahr, etwa zehn Prozent entfallen auf Schwangere. Toxoplasmose ist etwas weiter verbreitet, wird jedoch nur dann zum Problem, wenn sich eine Frau während ihrer Schwangerschaft zum ersten Mal infiziert und ihr Immunsystem darauf noch nicht eingestellt ist. Laut einer Studie stecken sich in Deutschland jährlich etwa 6400 schwangere Frauen erstmals mit Toxoplasmose an, das entspricht einem Prozent. Die Infektion geht dann auch nur in einem Fünftel der Fälle auf das Baby über – bei dem es dann allerdings zu schweren Schäden kommen kann, vor allem am Gehirn.

Toxoplasmose sei am wirksamsten vorzubeugen, wenn die Schwangere rohes Fleisch vermeide und beim Umgang mit Haustieren besondere Hygiene einhalte.

Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) vermuten zwar, dass die Zahl der tatsächlich infizierten Schwangeren höher liegt, weil die Erkrankungen nicht immer erkannt werden. Trotzdem halten sie beide Infektionen für so selten, »dass Frauen sich davon nicht abhalten lassen sollten, die Zeit der Schwangerschaft positiv zu erleben und zu genießen«. Das ohnehin schon geringe persönliche Listerioserisiko lasse sich durch das Essverhalten auch kaum weiter senken, da diese Bakterien fast überall zu finden sein könnten, nicht nur in rohen tierischen Lebensmitteln, sondern auch in Salaten, auf Obst und selbst in Tiefkühlprodukten. Wo sollte man da aufhören zu verzichten? Einer Ansteckung mit Toxoplasmose sei laut RKI am wirksamsten vorzubeugen, wenn die Schwangere rohes Fleisch vermeide und beim Umgang mit Haustieren besondere Hygiene einhalte: Häufiger als in Lebensmitteln sind die Erreger nämlich in Kot von Katzen zu finden.

Auch bei der Nahrungsergänzung mit Folsäure lohnt sich ein Blick auf die Faktenlage. Zwar ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Einnahme dieses Vitamins das Risiko senkt, dass Neugeborene mit sogenannten Neuralrohrdefekten auf die Welt kommen, etwa einem offenen Rücken. Um diese schützende Wirkung optimal zu entfalten, müssten Frauen aber nicht nur während der ersten drei Monate ihrer Schwangerschaft Folsäuretabletten schlucken, sondern schon mindestens vier Wochen vor der Befruchtung – so lautet auch die offizielle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Davon wissen nur die wenigsten Frauen, und dementsprechend wenige halten sich daran. Zudem sind etwa die Hälfte aller Schwangerschaften ungeplant und werden oft erst Wochen oder sogar Monate nach der Befruchtung bemerkt. Befragungen legen nahe, dass nur etwa fünf bis zehn Prozent aller Frauen schon Folsäure zu sich genommen haben, bevor sie schwanger wurden. Trotzdem liegt die geschätzte Häufigkeit von Neuralrohrdefekten in Deutschland bei nur ein bis zwei Fällen pro 1000 Geburten. Das Risiko ist also überschaubar.

Frauenärzte könnten ihren Patientinnen viel Kopfzerbrechen und Unsicherheit ersparen, wenn sie solche Einordnungen mit einbezögen bei der Aufklärung über Risiken. Leider geschieht das zu selten. Wolf Lütje sieht zudem das Problem, dass andere Risikofaktoren in der Schwangerschaftsvorsorge zu wenig angesprochen würden. Etwa bei der Ernährung: »Ein häufiges Problem ist, dass Frauen nicht ausgewogen oder zu viel essen«, so Lütje. Eine solche Fehlernährung könne sich auf die genetische Ausstattung des Babys auswirken. So neigten etwa die Kinder von stark übergewichtigen Frauen dazu, später ebenfalls dick zu werden oder eine Diabeteserkrankung auszubilden. Bisher vernachlässigt sei die psychosoziale Verfassung der Frau, »die schlichte Frage, wie es der Schwangeren geht«, so Lütje. »Lebt sie in einer stabilen Beziehung, ist sie finanziell abgesichert, gibt es psychische Vorerkrankungen?« Danach sollten Frauenärzte seiner Meinung nach verstärkt fragen und auf Beratungs- und Hilfsangebote verweisen, wenn sie es für nötig halten. »Das wäre wohl die nachhaltigste Maßnahme dafür, dass Kinder auch nach der Geburt gesund und munter aufwachsen.

Vorsorge ist Fürsorge – für mich und für dich

Obwohl alle Krankenversicherten Anspruch auf regelmäßige Vorsorge haben, werden die kostenlosen Untersuchungen in Deutschland erstaunlich wenig wahrgenommen. Dabei sind heute viele Erkrankungen bei rechtzeitiger Diagnose heilbar.
Hier finden Sie Informationen über die Vorsorgeuntersuchungen, die allen Frauen, Schwangeren, Kindern und Männern kostenlos zustehen.

Geringe Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen

Trotz zahlreicher kostenloser Angebote werden Vorsorgeuntersuchungen in Deutschland immer weniger in Anspruch genommen. 2/3 der Bevölkerung gehen erst zum Arzt, wenn sie wirklich krank sind. Weniger als die Hälfte der anspruchsberechtigten Frauen und ca. 21 Prozent der anspruchsberechtigten Männer nehmen eine Krebsfrüherkennungsuntersuchung in Anspruch.

Nur noch jede 10. Frau, die älter als 50 Jahre ist, geht 1x im Jahr zur Vorsorge. Das ist insofern fatal, als die meisten Krebserkrankungen erst im höheren Alter auftreten.

Die Gründe dafür sind vielfältig:
  • “Ich weiß gar nicht, welche Vorsorgeuntersuchungen es überhaupt gibt. “
  • “Sind die überhaupt noch kostenlos?!”
  • „Ich gehe nur zum Arzt, wenn ich wirklich krank bin!“
  • „Früherkennung betrifft mich nicht – ich bin doch gesund!“
  • „Die Untersuchung ist mir einfach unangenehm!“
  • „Ich habe keine Zeit“
  • „Vorsorge? Noch nie gehört!“

Warum Vorsorge?

Ärzte erreichen mit ihren Informationen nur die Menschen, die sowieso regelmäßig zur Vorsorge gehen. Auch die Krankenkassen bemühen sich teilweise sogar über Bonusprogramme, ihre Mitglieder zu motivieren. Selbst die Politik hat die Bedeutung der Vorsorge durchaus erkannt. Noch nie gab es ein so umfangreiches, hochwertiges und kostenloses Vorsorgeprogramm wie heute.

Doch die besten Programme, die im Übrigen mit den Beiträgen der Versicherten finanziert werden, nützen nichts, wenn den Menschen nicht klar ist, dass sie selbst fürsorglich mit ihrer Gesundheit umgehen müssen.

Vorsorgeprogramme

Warum eigentlich vorsorgen?

Die Vorsorgeuntersuchung hat das Ziel, Erkrankungen möglichst früh zu entdecken, um eine effektive Therapie durchführen zu können.

Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es?

Kinder

Kindervorsorgeuntersuchungen sollen sicherstellen, dass Defekte und Erkrankungen von Neugeborenen, Kleinkindern und Kindern, insbesondere solche, die eine normale körperliche und geistige Entwicklung des Kindes in besonderem Maße gefährden, möglichst schnell durch einen Kinderarzt erkannt werden, um früh eine entsprechende Therapie einleiten zu können. Zugleich sollen die Untersuchungen dazu dienen, Fälle von Vernachlässigung, Verwahrlosung, Kindesmisshandlung oder sexuellem Missbrauch zu erkennen und einem entsprechenden Fehlverhalten der Erziehungsberechtigten vorzubeugen. In einigen deutschen Ländern ist deshalb ein verbindliches Einlade- und Meldewesen zur Vorstellung zu den Untersuchungen beschlossen worden.

Frauen

können schon ab 20 Jahren zur jährlichen Krebsvorsorge gehen. Dabei untersucht der Arzt die Genitalorgane und macht einen Abstrich, der auf Krebszellen untersucht wird. Ab 30 Jahren kommen eine Untersuchung der Brust und der Haut hinzu und ab 50 können Frauen zusätzlich an dem Mammographie – Screening teilnehmen. Die Mammographie kann helfen, einen Tumor in der Brust möglichst früh zu erkennen.

Schwangere
Im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge können viele Erkrankungen, welche die Gesundheit des Kindes und der Mutter gefährden, frühzeitig erkannt und behandelt werden.

So umfasst die Mutterschaftsvorsorge beispielsweise den kostenlosen Schwangerschaftstest, Ultraschalluntersuchungen, umfangreiche Bluttests und diverse andere Untersuchungen. Nach der Erstuntersuchung mit der Feststellung der Schwangerschaft finden die Mutterschaftsvorsorgeuntersuchungen alle vier Wochen, in den letzten zwei Schwangerschaftsmonaten alle vierzehn Tage statt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden in den Mutterpass eingetragen.

Männer

haben ab 45 Jahren Anspruch auf die jährliche Krebs-Früherkennung, die von den Krankenkassen bezahlt wird. Darin untersucht der Arzt neben der Haut und den äußeren Genitalien vor allem die Prostata.

Frauen und Männer

Ab 35 Jahren haben alle zwei Jahre Anspruch auf den ‚Checkup 35‘, eine allgemeinmedizinische Basisuntersuchung sowie ein Hautkrebs-Screening. Ab 50 beinhaltet die jährliche Untersuchung darüber hinaus bei Männern wie Frauen die Darmkrebsfrüherkennung mit einem Test auf verstecktes Blut im Stuhl und ab 55 alle zehn Jahre mit einer Darmspiegelung. Wer sich gegen diese so genannte Koloskopie entscheidet, kann alternativ auch nach dem 55. Geburtstag weiterhin alle zwei Jahre den Stuhltest machen.

Zahngesundheit

Kinder können bis zum Alter von 6 Jahren 3 mal und bis 18 Jahre 2 mal jährlich auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten untersucht werden.
Erwachsene können sich einmal je Kalenderhalbjahr eingehend untersuchen lassen.

Schutzimpfungen

für alle Altersstufen sind ebenfalls Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung.
Nicht bezahlt werden Reiseimpfungen aus nicht beruflichem Anlass.

Chronikerprogramme

Für bestimmte Erkankungen gibt es strukturierte Behandlungsprogramme, in denen Patienten in festen Zeitintervallen an Untersuchungen teilnehmen können, wie z.B.

  • Diabetes mellitus
  • Krebserkrankungen
  • Herz- Kreislauferkrankungen
  • Atemwegserkrankungen

Mit unserem Erinnerungsservice können Sie regelmäßig an die Vorsorgeuntersuchungen erinnern lassen.

Psychosomatik – Medizin mit Herz und Verstand

Psychosomatik ist die Lehre von den Wechselwirkungen zwischen Seele (Psyche) und Körper (Soma) in der Entstehung, dem Verlauf und der Behandlung von menschlichen Krankheiten.Psychosomatik Logo

Psychosomatik in der Frauenheilkunde

In kaum einem anderen Fachgebiet wird der Einfluss körperlicher, seelischer und sozialer Faktoren auf die Entstehung sowie den Verlauf von Krankheiten, aber auch auf die Gesundheit so deutlich wie in der Frauenheilkunde.

Die psychosomatische Medizin betrachtet Körper und Seele immer als Ganzes. Im Zentrum steht das sensible Beziehungsgefüge von Körper, Seele und Umwelt. Zur medizinischen Diagnose gehört deshalb das partnerschaftlich angelegte Gespräch zwischen Arzt/Ärztin und Patientin.

Frauenärztinnen und Frauenärzte, Krankenschwestern, Psychologinnen und Psychologen, Hebammen, Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen – sie alle begleiten Frauen in wichtigen Lebensphasen. Pubertät, Familienplanung, Schwangerschaft, Geburt und Wechseljahre sind entscheidende Erfahrungen im Leben von Frauen. Gerade in diesen Zeiten des Umbruchs suchen sie medizinische, psychologische und emotionale Unterstützung.
Die gynäkologische Untersuchung und die Geburtshilfe berühren Körperteile, die für die Intimsphäre einer Frau, ihr Selbstbild, ihre Sexualität sowie ihre Paarbeziehung von unmittelbarer Bedeutung sind. Dies und das Reden darüber erfordern von der behandelnden Person ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen. Ebenso wichtig ist das Wissen um somatische und psychische Wechselwirkungen.

Was bedeutet das konkret?

Jede Untersuchung und jede Behandlung setzt eine gelingende Arzt-Patientin-Beziehung voraus und damit Kommunikation. „Was hat diese Frau, was will sie, worunter leidet sie, was braucht sie, was bringt sie mit, wovor hat sie Angst, was erwartet sie,…“ – das muss verstanden werden. Zur körperlichen Bestandsaufnahme gehört so immer die Frage nach dem psychosozialen Hintergrund. Und das gilt ebenso für die Behandlung, auch sie fußt auf Kommunikation. Egal ob bei drohender Frühgeburt oder bei Brustkrebs: Die betroffene Frau braucht Verständnis, sie muss sich angenommen fühlen, sie braucht Vertrauen – nur dann wird sie Behandlungen zustimmen und sie vor allem aktiv mittragen. Grundlage für das „Verstehen“ ist Wissen über die jeweiligen psychosomatischen und somatopsychischen Wechselwirkungen und die Einfluss-Möglichkeiten.

Nutzen

Psychosomatisches Wissen und Vorgehen hilft so den Frauen – aber auch den ÄrztInnen. Es hilft, eine größere Gelassenheit im Umgang mit den Patientinnen zu entwickeln, bringt Entlastung durch größere diagnostische Sicherheit, schützt vor eigener Überforderung und führt langfristig zu größerer Zufriedenheit bei der Berufsausübung.

Aus diesen Gründen gehört die Grundausbildung in Psychosomatik seit Jahren zum Weiterbildungskonzept für Frauenärztinnen und Frauenärzte.

Quellen: DGPFG, gyne 2/2016

Fortpflanzung – Früh beginne, wer Kinder haben will

Fortpflanzung – Die meisten Paare unterschätzen das Alter als Fruchtbarkeitskiller

VON MARTIN SPIEWAK – DIE ZEIT N° 36 / 2015

Jahrtausendelang hatten Frauen Angst, ungewollt schwanger zu werden. Heutzutage fürchten viele eher das Gegenteil. Das Risiko, ungewollt kinderlos zu bleiben, ist inzwischen ebenso groß. Das hat sich aber noch nicht überall herumgesprochen. In der Sexualaufklärung jedenfalls geht es in erster Linie immer noch darum, wie man vermeidet, ein Kind zu bekommen; seltener darum, was gegen unerwünschte Kinderlosigkeit zu tun ist.

Das hat Folgen.

Die meisten jungen Erwachsenen wünschen sich zwei oder drei Kinder, im Schnitt 2,2. Tatsächlich ist die Kinderschar fast überall in Europa kleiner. Diese »Fruchtbarkeitslücke« schwankt von Land zu Land, über den Kontinent verteilt liegt sie bei 0,35 Kindern. Die Ursachen dafür sind komplex. Persönliches mischt sich mit Gesellschaftlichem, mal hat der Beruf Schuld, mal fehlt der Partner. Am Ende geht es fast immer um die Biologie. Anfang 40 sollte die Familienplanung (für Frauen) abgeschlossen sein.

Wann aber sollte sie beginnen?

Früh! Das legt eine Studie niederländischer Forscher im Fachblatt Human Reproduction nahe. Die Wissenschaftler haben Geburtenraten sowie die Erfolgsquoten der natürlichen wie der künstlichen Befruchtung in ein mathematisches Modell gegossen und den Zeitpunkt errechnet, wann eine Frau mit dem ungeschützten Geschlechtsverkehr spätestens beginnen sollte, wenn sie sichergehen will, dass aus ihrem Kinderwunsch auch Familienwirklichkeit wird.

Möchte sie nur ein Kind haben, sollte sie mit 32 beginnen. Mit 27, wenn sie sich zwei Kinder wünscht. Und bei dreien bereits mit 23 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft sinkt mit jedem Lebensjahr und auch immer schneller. Mit 38 Jahren liegt die Chance, noch zwei Kinder zu bekommen, bei 50 Prozent. Die Reproduktionsmedizin kann die Uhr zwar zurückdrehen, aber nur um wenige Jahre, und je älter eine Frau ist, desto weniger wirkt die Hilfe aus dem Labor.

Im Prinzip ist das vielen Frauen klar.

Im Detail jedoch – das zeigen viele Befragungen – vertun sie sich gewaltig. Sie setzen den Zeitpunkt, an dem die Fruchtbarkeit nachlässt, viel zu spät an und überschätzen gleichzeitig die Wirksamkeit der künstlichen Befruchtung. Aufklärung bereits in der Schule könnte hier helfen. Auch Frauenärzte sollten das Thema häufiger ansprechen, etwa bei den Routineterminen, zu denen viele Frauen kommen.

Und die Männer?

Sie haben das Problem der schwindenden Zeugungskraft sehr viel seltener – sind aber gleichzeitig oft selber das Problem. In einem Alter, in dem man früher schon Großvater wurde, überlegen sie heute, ob sie sich wirklich schon erwachsen genug für ein Kind fühlen. Diese verbreitete Daueradoleszenz der Männer kostet viele Frauen wertvolle Zeugungszeit – und viele Paare den Traum vom zweiten oder dritten Kind.

elektronischen Gesundheitskarte

Gesetzlich krankenversicherte Patienten können seit Jahresbeginn nur noch mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) den Arzt oder Psychotherapeuten aufsuchen. Die alten Chipkarten ohne Lichtbild sind ungültig.

Legt der Patient bis Ende des Quartals keine gültige Karte vor, muss er die Behandlung privat bezahlen. Eine Ersatzbescheinigung dürfen Krankenkassen ihren Versicherten nur im Ausnahmefall und befristet ausstellen. Ein solcher Schein ist kein dauerhafter Ersatz für die eGK.

Weitere Infos der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Informationsveranstaltung „Verhütung ab dem 40. Lebensjahr“

Nach der positiven Resonanz auf unsere Informationsveranstaltung „Mammographie – sinnvoll oder unsinnig?“ möchte ich Sie herzlich zu unserem nächsten Infoabend einladen.
Anfang 40, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist, beschäftigt viele Frauen die Frage, wie sie in den Jahren bis zur Menopause verhüten sollen. Welche Verhütungsmittel kommen in Frage? Welche Vor- und Nachteile haben die unterschiedlichen Methoden? Wann endet die Fruchtbarkeit? Wann beginnen die Wechseljahre? Diese Fragen möchte ich gerne gemeinsam mit Ihnen erörtern.

  • Infoabend: Verhütung ab dem 40. Lebensjahr
  • am Mittwoch, den 3. Dezember 2014 um 18 Uhr
  • in der Praxis Dr. Lutz Winkler, Gerresheimer Str. 81, 40721 Hilden

 

Wir bitten um kurze vorherige Anmeldung unter unserer Telefonnummer 02103.44337.
Die Veranstaltung ist kostenlos. Selbstverständlich sind auch Freundinnen und Bekannte herzlich eingeladen, die nicht Patientinnen in unserer Praxis sind.

Informationsveranstaltung „Mammographie – sinnvoll oder unsinnig?“

Nach mehreren Reportagen im Fernsehen und in Zeitschriften häufen sich in letzter Zeit die Anfragen, was denn nun eigentlich vom Mammographie-Screening zu halten sei.

Aus diesem Anlass habe ich beschlossen, in meiner Praxis eine Informations-veranstaltung zu diesem Thema durchzuführen. Damit Sie selbst zu einer besseren Entscheidung kommen können, möchte ich Sie möglichst umfassend und neutral informieren. Dabei soll es viel Raum für Ihre eigenen Fragen geben.

Die Informationsveranstaltung „Mammographie – sinnvoll oder unsinnig?“ findet statt

  • am Mittwoch, den 22. Oktober 2014 um 18 Uhr
  • in der Praxis Dr. Lutz Winkler, Gerresheimer Str. 81, 40721 Hilden
Wir bitten um kurze vorherige Anmeldung unter der Telefonnummer 02103.44337.
Die Veranstaltung ist kostenlos. Selbstverständlich sind Sie auch herzlich eingeladen, wenn Sie nicht Patientin unserer Praxis sind.